20 Fachbegriffe rund um Photovoltaik, Speicher und Wechselrichter — verständlich erklärt.
Anteil des Gesamt-Stromverbrauchs, der durch eigene PV-Erzeugung gedeckt wird.
Der Autarkiegrad gibt an, welcher Anteil deines gesamten Stromverbrauchs durch deine PV-Anlage gedeckt wird. Ohne Speicher liegt der typische Autarkiegrad bei 20 bis 30 Prozent. Mit Speicher steigt er auf 50 bis 70 Prozent. 100 Prozent Autarkie ist im EFH wirtschaftlich kaum erreichbar — die letzten Prozent erfordern überdimensionierten Speicher und kosten unverhältnismäßig mehr.
PV-Modul, das auch über die Rückseite Licht aufnimmt und Strom produziert.
Bifaziale Module haben Solarzellen, die auch über die Rückseite einfallendes Licht in Strom umwandeln können. Der bifaziale Gewinn liegt bei 5 bis 25 Prozent Mehrertrag, je nach Aufstellung — am meisten auf hellen Untergründen, bei freier Aufständerung und auf Flachdächern. Auf einem Wohnhaus-Schrägdach mit dunkler Unterkonstruktion ist der bifaziale Gewinn meist klein.
Anteil des selbst erzeugten PV-Stroms, der direkt im Haus verbraucht wird.
Die Eigenverbrauchsquote gibt an, welcher Anteil der PV-Produktion direkt im Haushalt verbraucht wird, statt ins Netz eingespeist zu werden. Ohne Speicher liegt sie bei rund 30 bis 40 Prozent. Mit korrekt dimensioniertem Speicher steigt sie auf 60 bis 70 Prozent. Mit Wärmepumpe und E-Auto sind 70 bis 85 Prozent erreichbar.
Gesetzlich festgelegte Vergütung pro kWh Solarstrom, die ins öffentliche Netz eingespeist wird.
Die Einspeisevergütung wird im EEG geregelt und nach Inbetriebnahmedatum für 20 Jahre garantiert. Sie wird halbjährlich abgesenkt. Die genauen Vergütungssätze für das aktuelle Halbjahr veröffentlicht die Bundesnetzagentur. Hinweis: Die Wirtschaftsministerin Reiche hat 2025 angekündigt, ab 2027 das EEG-Förderregime zu reformieren — die genauen neuen Konditionen sind politisch noch nicht abschließend.
Vollständige dreiphasige Versorgung des Hauses bei Netzausfall — meist mit Speicher und automatischer Umschaltung.
Ersatzstrom übernimmt die volle dreiphasige Versorgung des Hauses bei Netzausfall. Die automatische Umschaltung erfolgt typischerweise innerhalb weniger Sekunden. Voraussetzung: kompatible Speicher- und Wechselrichter-Kombination plus geeignete Hauptverteilung. Beispiele: Fronius GEN24 Full Backup mit Fronius- oder BYD-Speicher.
Heterojunction Technology — Premium-Zell-Architektur mit kristallinem Silizium und amorphen Siliziumschichten.
HJT kombiniert eine kristalline Siliziumzelle mit dünnen amorphen Silizium-Schichten auf Vorder- und Rückseite. Das reduziert elektrische Verluste, verbessert das Verhalten bei Hitze (Temperaturkoeffizient -0,24 bis -0,26 %/K gegenüber -0,34 %/K bei PERC) und liefert bei Schwachlicht messbar mehr Ertrag. Wirkungsgrade liegen bei 22,5 bis 24 Prozent. REC Alpha Pure-R und ehemals Meyer Burger sind bekannte HJT-Module.
Vollständig vom öffentlichen Stromnetz unabhängige PV-Anlage — nur in Sonderfällen wie Berghütten sinnvoll.
Im Inselbetrieb produziert die PV-Anlage Strom unabhängig vom öffentlichen Netz. Sie braucht überdimensionierten Speicher (mehrere Tage Reserve), wettergerechte Auslegung und meist ein Notstromaggregat als Rückfall. Im klassischen Einfamilienhaus mit Netzanschluss ist Inselbetrieb wirtschaftlich nicht sinnvoll — in Berghütten ohne Netzanschluss schon.
Kilowatt-Peak — Nennleistung einer PV-Anlage unter Standardtestbedingungen (1.000 W/m², 25 °C, AM 1,5).
Kilowatt-Peak ist die international standardisierte Nennleistung eines PV-Moduls oder einer PV-Anlage. Ein Modul mit 400 Wp liefert unter Laborbedingungen 400 Watt — in der Praxis liegt der Ertrag tiefer, abhängig von Einstrahlung, Temperatur und Verschattung. Eine Anlage mit 10 kWp produziert in Deutschland je nach Standort etwa 9.000 bis 11.000 kWh pro Jahr.
Lithium-Eisenphosphat (LiFePO4) — Batteriechemie für Heimspeicher mit hoher thermischer Stabilität.
LFP-Zellen haben eine deutlich höhere Schwelle für einen Thermal Runaway als ältere NMC-Chemien. Sie bieten hohe Zyklenfestigkeit (4.000 bis 6.000 Vollzyklen), sind aber etwas energieärmer pro Volumen. Im Heimspeicher-Bereich gilt LFP heute als der modernere Standard. Beispiele: BYD Battery-Box Premium, Tesla Powerwall 3, Sonnen.
DC-DC-Wandler hinter jedem Modul, der MPP-Tracking auf Modul-Ebene übernimmt.
Modul-Optimierer wie SolarEdge P-Optimizer oder Tigo TS4 entkoppeln Module elektrisch voneinander. Bei Verschattung zieht ein verschattetes Modul nicht mehr den ganzen String runter. Aufpreis liegt bei rund 0,08 bis 0,13 Euro pro Wp (30 bis 50 Euro pro 400-W-Modul). Lohnt sich nur bei Teilverschattung — auf einem unverschatteten Süddach ist der Mehrertrag minimal.
Maximum Power Point Tracking — Wechselrichter-Funktion, die den optimalen Arbeitspunkt eines PV-Strings findet.
Das MPP-Tracking sucht kontinuierlich den Spannungs- und Stromwert, bei dem der String die maximale Leistung liefert. Klassische Stringwechselrichter haben 1 bis 4 MPP-Tracker. Bei SolarEdge übernimmt jeder Modul-Optimierer das MPP-Tracking individuell, was bei Teilverschattung 10 bis 25 Prozent Mehrertrag liefert.
Nickel-Mangan-Kobaltoxid — kompaktere Lithium-Ionen-Chemie mit höherer Energiedichte als LFP.
NMC-Zellen haben eine höhere Energiedichte und ermöglichen kompaktere Speicher. Sie sind thermisch sensibler als LFP und benötigen entsprechende Sicherheits-Architektur. Im Heimspeicher-Markt setzen einige deutsche Hersteller wie VARTA Storage (pulse neo, element, element backup) auf NMC. Im Auto-Sektor war NMC lange Standard und wird zunehmend von LFP abgelöst.
Stromversorgung einzelner Verbraucher bei Netzausfall, oft über eine separate Steckdose.
Notstrom liefert begrenzte Leistung bei einem Stromausfall — typisch über eine einzelne Steckdose oder einen einphasigen Anschluss. Fronius GEN24 PV-Point bietet Notstrom auch ohne Speicher (eine Phase). Umschaltzeit kann mehrere Sekunden betragen — Geräte sind während der Umschaltung kurz aus.
Passivated Emitter and Rear Cell — etablierte Solarzell-Architektur mit rückseitiger Passivierungsschicht.
PERC fügt der klassischen Standard-Solarzelle eine dielektrische Passivierungsschicht auf der Rückseite hinzu. Damit werden Elektronen reflektiert, die sonst auf der Rückseite rekombinieren würden — der Wirkungsgrad steigt um rund 1 Prozentpunkt. PERC war der Marktstandard von 2015 bis etwa 2023; seit 2024 gewinnt TOPCon weltweit Marktanteile.
Sicherheits-Funktion bei SolarEdge: DC-Spannung auf dem Dach wird bei Wechselrichterausfall automatisch heruntergefahren.
SafeDC reduziert die Gleichspannung auf dem Dach bei Notabschaltung oder Wechselrichterausfall auf einen sicheren Wert. Das ist relevant für Brandschutz und wird von einzelnen Feuerwehren in Deutschland zunehmend gewünscht. Pflicht ist SafeDC nicht. Vergleichbare Funktionen gibt es bei anderen MLPE-Systemen wie Tigo TS4-A-2F.
Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz — gerichtlich begleitete Sanierung im Eigenmanagement.
Das StaRUG-Verfahren ermöglicht Unternehmen seit 2021 eine gerichtlich begleitete Restrukturierung im Eigenmanagement, ohne klassische Insolvenz. Die VARTA AG hat 2024 ein StaRUG-Verfahren durchlaufen, der Restrukturierungsplan ist Anfang 2025 gerichtlich bestätigt worden. Operativ läuft die VARTA Storage GmbH (Heimspeicher) weiter; die Tochter ist aber strukturell mit der AG verflochten.
Wert, der den Leistungsverlust eines PV-Moduls pro Grad Temperaturerhöhung angibt.
Der Temperaturkoeffizient gibt an, wie stark ein Modul bei steigender Temperatur an Leistung verliert. PERC-Module haben typisch -0,34 bis -0,38 Prozent pro Kelvin. HJT-Module sind besser bei -0,24 bis -0,26 Prozent pro Kelvin — sie liefern auf einem heißen Süddach im Sommer mehr Ertrag als ihr Wirkungsgrad-Vorsprung allein vermuten lässt.
Tunnel Oxide Passivated Contact — Zell-Architektur mit dünner Tunneloxidschicht für höheren Wirkungsgrad als PERC.
TOPCon nutzt eine sehr dünne Tunneloxidschicht und eine dotierte Polysilizium-Schicht zur Passivierung der Rückseite. Damit werden Verluste weiter reduziert. Wirkungsgrade liegen bei 22 bis 23 Prozent, rund 0,5 Prozentpunkte über PERC. TOPCon hat 2024/2025 weltweit den Marktanteil von PERC übernommen und gilt aktuell als Standard für neue Modul-Linien.
Eine vollständige Lade-Entlade-Sequenz eines Heimspeichers mit der Nennkapazität.
Ein Vollzyklus entspricht einer vollständigen Lade-Entlade-Sequenz mit der Nennkapazität — zwei halbe Zyklen zählen als ein Vollzyklus. LFP-Heimspeicher schaffen typisch 4.000 bis 6.000 Vollzyklen, NMC weniger. Bei einem Lade-Entlade-Zyklus pro Tag erreichen LFP-Speicher rechnerisch über 10 Jahre Nutzungsdauer — Garantien decken meist 80 Prozent Restkapazität nach 10 Jahren ab.
Wandelt den von PV-Modulen erzeugten Gleichstrom in netzkompatiblen Wechselstrom um.
Der Wechselrichter ist das zentrale Steuerungs-Bauteil einer PV-Anlage. Er wandelt Gleichstrom (DC) der Module in Wechselstrom (AC) um, regelt das MPP-Tracking und überwacht Netzparameter. Ein Hybrid-Wechselrichter wie Fronius GEN24 oder Sungrow SH integriert zusätzlich das Speicher-Interface. Wirkungsgrade liegen bei rund 98 Prozent.
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3 Minuten Quiz — Ergebnis mit konkreten Systemempfehlungen.